Fr. 27. November 2015 Fränkischer Anzeiger

 

Weltmusikalisches Wohlgefühl 

 

Eine Art „Weather Report“? Man könnte es meinen. Der Vergleich mit der gleichnamigen Siebzigerjahre-Super-Gruppe scheint schon wegen des markanten Sopran-Saxophons nahe zu liegen. Und dann ist da noch etwas, das „artrio & friends“, das Quartett um den aus Rothenburg stammenden Schlagzeuger Joachim Gröschel, mit dem Klassiker teilen. Auch sie schaffen es, anspruchsvoll und eingängig zugleich zu sein.

Dabei kommen sie weder auf dem ho­hen Ross der Avantgarde daher noch neigen sie zum grellen Experiment. Aus cool-jazz-artigem Intellekt (eher dem modalen Jazz als dem Bebop zugewandt), aus lateinamerikanischen bis orientalischen Farben entsteht eine weltmusikalische Gemütstiefenmalerei mit Fasson und antigrüblerischer Wirkung.

Es ist eine elegante Balance aus strahlkräftigen Saxophon-Kantilenen (Christian Döß), aus feinfühliger Improvisation, einem veritablen, abwechslungsreichen, immer wieder auch intimen Jazz-Klavier (Fred Brunner, Piano, Komposition), einer ebenso nuancierenden wie pulsierenden Rhythmusgruppe mit Peter Wachter am Kontrabass und Joachim Gröschel an den Trommeln.

Als Schlagzeuger fachsimpelt er nicht, sondern besticht durch umfassende Musikalität, führt immer auch dezent Regie. Das sprichwörtliche fünfte Rad ist hier niemand. „Der 5. Rat“ aber (so heißt eine der durchweg eigenen Kompositionen) ist ein überaus hörenswerter und präsenter. h.d.


 

Sa. 5. September 2015 Augsburger Allgemeine

 

Jazz

Ein Stück Kunstmusik

Ein Konzert von „arTrio & friends“ jetzt als Live-CD Von Eric Zwang-Eriksson

„Ich liebe es, mit Melodien, Harmonien, Rhythmen, Sounds und Klangfarben zu forschen und zu experimentieren. Mir macht es Freude, mich immer wieder der kreativen Herausforderung zu stellen“, sagt Fred Brunner und liefert auf seinem aktuellen Tonträger einen neuerlichen Beweis für diese Liebschaft.

Seit 2006 tüftelt der musikalische Leiter des Eukitea Theaterhauses Diedorf gemeinsam mit Christian Döß an den Saxofonen, Peter Wachter am Kontrabass und Joachim Gröschel an Schlagzeug und Percussion unter dem Namen „arTrio & friends“ an einer eigensinnigen, doch eingängigen Fusion von Weltmusik und Jazz. Ein Konzert im SWR-Studio im Rahmen der Studiokonzerte auf Einladung des Jazzclubs Tübingen am 25. Februar 2014 bescherte dem in Friedberg lebenden Mastermind und Keyboarder eine großartige Aufnahme, die nun auf CD gebannt zu kaufen ist.

Mit zehn Stücken und einer Dauer von knapp 66 Minuten hat das Album mit dem knappen Titel „Live“ so manches zu bieten. „Alles im Rahmen“ beispielsweise ist der Rahmentrommel gewidmet. Der Song verschmelzt orientalische und europäische Klänge. „Pictures für Pamela“ zeigt sich im Post-Bop-Gewand, während „Vento d’estate“ dem Smooth Jazz huldigt. „Eiszeit“, eine von warmen, synthetischen Flächen getragene Komposition, wirkt in diesem Zusammenhang wie eine Atempause zwischen heißen Diskussionen.

„Die Songs entstehen in der Regel bei mir zu Hause am Piano, manche auch im Rahmen der Arbeit für ein Theaterstück“, erzählt Brunner. Doch liefert der Kopf des Quartetts nie mehr als das musikalische Gerüst. Für die Ausarbeitung ist jedes Mitglied von arTrio & friends gleichermaßen gefordert.

So sauber die zehn Kompositionen gespielt sind, so sauber sind sie auch von Tonmeister Andreas Ranz festgehalten. Eine wahre Freude, solch klare, austarierte Klänge auf einem Live-Album hören zu können.

Mit seinem Facettenreichtum hält das auf arTrio & friends präsentierte Repertoire eine Menge musikalischer Überraschungen bereit. Ein Stück Kunstmusik, das zu hören sich lohnt.

ist die CD arTrio & friends „Live“ über den Online-Store www.record-store.net oder in der Buchecke Diedorf.

 

 

 

 

Dienstag 5. November 2013 Augsburger Allgemeine

ARTRIO & FRIENDS                                              

Im neuen Rahmen

Die Jazz-Combo in reduzierter Besetzung

Einstmals waren es fünf Musiker, die den Sound der weltmusikalisch gefärbten Smooth-Jazz-Rock-Combo „arTrio & friends“ prägten. Nach dem Weggang von Saxofonistin Agnes Reiter ist es nurmehr ein friend, der das arTrio bereichert. Wie sehr sich das auf den Sound der Band auswirkt, zeigte das Konzert im Foyer der Puppenkiste, das dritte in der dortigen Jazzkonzert-Reihe.

Zwei Mal bereits hatten arTrio & friends im Puppenkisten-Gemäuer konzertiert. Nun also waren sie im Quartett zurückgekehrt und präsentierten neben Altbekanntem eine ganze Reihe neuer Kompositionen.

Da war der an Brubecks „Take Five“ gemahnende und ebenfalls im Fünfviertel gehaltene „Fünfte Rat“, der swingend Erfrischung fand. Mit Rahmentrommel und Sopransaxofon führte die Nummer „Alles im Rahmen“ musikalisch in den Nahen Osten, während das „Sturmtief Andrea“ mit Gastgeiger Martin Franke, neben Fred Brunner (Piano, Synthesizer), Christian Döß (Saxofone), Peter Wachter (Bass) und Joachim Gröschel (Schlagzeug, Percussion) der temporär auftauchende fünfte Mann, Programmmusik mit jazziger Attitüde bot.

Lyrisch gab sich der im Trio dargebotene „Regentropfen“. Der „Tango Prospero“ indes stellte den geigenden Gast in den Vordergrund. Das im Dreivierteltakt mit gebrochenem Harmonieschema gehaltene „Pregasina“ huldigte derweil expressiv einem kleinen Ort am Gardasee.

Überhaupt waren es weniger solch viel beackerte Themen wie Liebe, Laster, Leidenschaft, die den Komponisten Fred Brunner inspirieren. Vielmehr sind seine Musen in Landschaften zu finden oder in Wetterverhältnissen: Brunner malt gern mit Tönen.

Da prallen musikalische Welten aufeinander

Es dürfte nur wenige Formationen geben, deren eigenkompositorisches Repertoire sich derart reichhaltig gibt wie jenes von arTrio & friends. Ob das nun ein Segen ist oder doch eher ein Fluch – das blieb dem Zuhörer selbst überlassen, wenn Balladen, Weltmusik, Smooth Jazz und Jazz Rock auf musikalisch hohem Niveau aufeinanderprallten und dergestalt für viele Geschmäcker etwas boten. Mit dem personellen Abbau jedenfalls schlugen arTrio & friends einen hörbar neuen und durchaus zukunftsweisenden Weg ein. (eric)

 

Freitag, 4. Mai 2012

 

Jazzfrühling Kempten

Quer durch die Stille

Ein Geheimtip: artrio & friends in Thingers

Von Rainer Schmid

Kempten Ein echter Geheimtip ist artrio & friends mit vier Männern aus Augsburg, Tübingen und Kaufbeuren. Im Thingers „Ikarus“ saßen immerhin sechs Mal so viele Zuhörer vor der kleinen Bühne, wie auf ihr Musik machten. Was für Musik? Schwer zu sagen. So bunt und kraus eben, wie die Ideen in den vier Köpfen wuchern und wuseln.

Und trotzdem meist modern-jazzig, mit der Handschrift des Keyboarders Fred Brunner. Ein absolut starkes Bebop-Thema à la Charlie Parker sticht heraus. Kontrastiert von einem knackigen Herbie-Hancock-Riff. Improvisiert im wildesten Uptime Swing, mit Walking Bass (Peter Wachter), Sopransax Solo (Christian Döss) und Drumset Feature (Joachim Gröschel).

Immer überraschend

Lauter eigene Stücke sind es, die artrio & friends produzieren. Schon von daher immer überraschend, neu, persönlich gefärbt. „Eva“ zum Beispiel. Eine lyrisch ausschwingende Ballade; das Tenorsax atmet den Ton von Jan Garbarek. Oder der schnelle Jazz Waltz „Pregasina“, wo Keyboard und Sopransax klassisch-klar imitierend einsetzen.

Der „Tango Prospero“ bringt sparsame, tanzbare Solos von Altsax und Keyboard. Ein komplexeres 5/4-Takt-Stück ist eingestreut, mündend in ein Open-End-Drumsolo auf allem, was laut gibt. Schließlich „Ibu“, die indische Gefäßtrommel. Wozu wabernde Synthi-Klänge und schlangen-beschwörerisches Sopransax weltmusizieren, aber in heftigen Afro-Cuban-Groove ausarten.

Bitte bald eine größere Bühne und mehr Publikum für die originelle Truppe!